Schulkalender

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Wie jedes Jahr am FEG machte die 11. Klasse eine Studienfahrt in ein Konzentrationslager. Dabei konnten die Schüler wählen zwischen einer Fahrt nach Weimar / Buchenwald und Auschwitz in den Ort Oswiecim. Am 19.09.2015 trafen sich die Teilnehmer der Fahrt in die Gedenkstätte Auschwitz am Hauptbahnhof in Frankfurt, um mit dem Reisebus ihre 15-stündige Fahrt nach Polen anzutreten.

 

Dort angekommen bezogen die Schüler Quartier in einem katholischen Internat/Kloster, wo die Kommunikation eine Herausforderung war, weil leider kaum ein Bewohner Deutsch sprach – und wir quasi kein Polnisch. Danach ging es weiter zur Erkundung der Stadt und dem ersten Geldumtausch der Schüler von Euro in Zlotty. Am Abend folgte dann die erste Plenumsrunde, bei der sich alle in einem Klassenraum versammelten, um über den weiteren Verlauf der Fahrt zu reden und den genauen Plan für den nächsten Tag zu besprechen.

 

Der nächste Tag begann mit einem Besuch in der Synagoge und dem dazugehörigen Museum im ehemaligen jüdischen Zentrum von Oswiecim. Sie ist das einzige, was noch vom jüdischen Zentrum übrig geblieben ist und beinhaltet Erinnerungsstücke von einigen Juden, die damals in diesem Ort lebten. Wir durften auch den eigentlichen Gebetsraum besichtigen, in dem eine besondere Tafel hing. Anhand der Inschrift dieser Tafel hatte man damals erkannt, dass es sich bei den Trümmern dieses Gebäudes um eine Synagoge handelte. Nach der Besichtigung des Museums ging es weiter ins Stammlager Auschwitz I. Dort angekommen begannen wir eine interessante Führung, zu der wir in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Wir passierten das berühmte Tor mit der makabren Inschrift „Arbeit macht frei“, so wie einst die Häftlinge. Die Tour führte uns durch die Wohnblöcke, den Krankenblock, den Todesblock und den für medizinische Untersuchungen, zum Beispiel des berühmten, auch unter dem Namen „Der Todesengel“ bekannten KZ-Arztes Doktor Mengele an jungen Frauen, Kleinwüchsigen, Zwillingen und vielen mehr. In einem Block befanden sich hinter Glasscheiben enorme Mengen an Haaren, Prothesen, Schuhen, Brillen, Koffern und Kleidung. Alles Dinge, die den Juden von den Nationalsozialisten genommen wurden. Die Tatsache, dass diese Kilos an Haaren nur ein Bruchteil dessen waren, was die Nationalsozialisten abgeschnitten und weiterverarbeitet hatten, überwältigte unsere Gruppe von Schülern bei diesem Anblick. Weiterhin besichtigten wir das Krematorium und einen Raum, in dem sich ein Buch befand, das mehrere Meter hoch und noch weitere Meter dicker war und welches die Namen aller Opfer beinhaltete. Wieder einmal waren es die schiere Größe und die große Anzahl an Namen, die bewegten. Auch dieser beeindruckende und anstrengende Tag fand ein Ende in unserer Jugendherberge.

 

An diesem Montag sollte nun die Besichtigung von Auschwitz II folgen, besser bekannt als Birkenau. Viele Schüler fotografierten gleich zu Beginn die Bahngleise vor dem Eingang, auf denen die Züge eintrafen. Der Unterschied zum am vorigen Tag besichtigten Teil der Gedenkstätte Auschwitz waren die gigantischen Ausmaße des Lagers, die Anzahl an Krematorien, denn dort gab es nicht wie in Auschwitz I ein Krematorium, sondern gleich vier.  Es gab ein Frauenlager, ein Lager für Kinder, für Männer, für Sinti und Roma, ein Zwillingslager, ein Familienlager, ein Krankenlager, das immer überfüllt war und ein Todeslager, wo die Menschen nur noch auf ihren Abtransport in eine der Gaskammern warteten und noch viele mehr. Alle Baracken waren gleich aufgebaut. Sie waren länglich und beinhalteten mehrere Stockbetten in langen Reihen. Die sogenannte „Judenrampe“ befand sich direkt hinter dem großen Eingang und war Schauplatz der nationalsozialistischen Grausamkeit in Form von Selektionen. Einiges war noch erhalten geblieben oder vom Museum restauriert worden, doch zum Beispiel die Krematorien waren alle zertrümmert. Drei davon, sowie das Gebäude, welches „Kanada“ genannt wurde, wo alle den Juden entwendeten Gegenstände aufbewahrt wurden, waren von der SS in die Luft gesprengt worden, um die Spuren zu vernichten. Ein Sonderkommando, einer Gruppe aus Häftlingen, selbst zum Tode verurteilt, weil sie sich um die Behandlung der Leichen kümmerten, besorgte sich Sprengstoff und zerstörte eine Gaskammer und ein Krematorium. Alle Täter wurden gehängt. All dies erfuhren wir an diesem Tag. Von nun an sollten wir in den nächsten Tagen die Lager selbst erkunden und dabei auch Recherche für die vertiefende Gruppenarbeit betreiben sowie Bild- und Videomaterial sammeln. Dazu erhielten wir besondere Besucherausweise, die uns jederzeit den Eintritt in die beiden Gedenkstätten ermöglichten. Es gab drei Gruppen. Die eine beschäftigte sich mit der Medizin in Auschwitz, die andere mit den Frauen und die dritte arbeitete an der Aufarbeitung des Nationalsozialismus bzw. an der Präsenz dieses Themas in unserer heutigen Gesellschaft.

 

An diesem Abend gab es auch noch ein Fußballspiel gegen die Internatsmannschaft. Trotz kräftiger Anfeuerungen verlor unser Team das erste Match knapp. Auch beim Volleyballspiel am nächsten Tag verlor unsere Mannschaft, doch der Kampfgeist war da.

 

Am Mittwoch ging es nach Krakau. Unser Ausflug begann mit einem Kulturprogramm und wir besichtigten die schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt unter Führung von Herr Schmidt. Danach durften die Schüler in Kleingruppen in die Innenstadt und dort ihre Zeit frei nutzen. Nach einem anstrengenden Tag ging es dann mit unserem Reisebus zurück ins Internat.

 

Der Donnerstag begann er mit einem Zeitzeugengespräch. Wir versammelten uns im Theatersaal des Klosters und lauschten aufmerksam den Worten des Zeitzeugen. Er berichtete uns von seiner Gefangennahme wegen seiner Zeit in einer Widerstandsgruppe.  Er litt unter vielen Krankheiten, stand sogar unter Quarantäne und musste beispielsweise die Toiletten säubern. Er war Teilnehmer der Todesmärsche, konnte aber währenddessen entkommen. Es war aufregend, Auschwitz auch einmal aus der Perspektive eines Nicht-Juden beschrieben zu bekommen und gleichzeitig war die reine Anwesenheit des Mannes schon etwas Besonderes, was uns nach seinem Bericht klar wurde. Es war schwer, sich nach diesem Gespräch wieder auf die Gruppenarbeit zu konzentrieren, doch allmählich begannen die Gruppen wieder vor Ort Material zu sammeln, denn es war eine der letzten Gelegenheiten, das Lager zu durchstreifen. Generell war es eine gute Möglichkeit, immerzu Zutritt zum Lager zu haben und so auch ohne Führung Informationen zu erlangen. Es war unser letzter Abend im Kloster und wir verbrachten ihn zusammen mit unseren Mitbewohnern aus Polen bei einem gemütlichen, geselligen Grillabend, der die nationalen Zugehörigkeiten in den Hintergrund rücken ließ.

 

Der letzte Morgen war nun angebrochen und die Koffer wurden gepackt und die Zimmer geräumt. Dann folgte unser letzter Besuch im Lager. Diesmal sollte uns etwas Besonderes zuteil werden. Wir wurden durch die Künstlerbaracke geführt, in der sich Bilder von Häftlingen befanden, sowie eine originale Tür einer Gaskammer. Wir erfuhren viel über die Nationalsozialisten, die die Juden zwangen für ihre Zwecke zu malen, doch auch heimlich entstandene Kunstwerke gab es zu bestaunen. Jedes Bild hatte eine Geschichte, die es wert war, zu hören. Portraits von zum Tode Verurteilten, Karten des Geländes, Häftlinge… Dies sollten die letzten Eindrücke sein, die wir vom Lager bekamen, denn es war an der Zeit, sich zu verabschieden und auf eine Zeit voller neuer Erkenntnisse und Erfahrungen zurückzublicken. Um 17:20 verließen die Teilnehmer des Auschwitzprojektes des Jahres 2015 die Stadt Oswiecim, doch nicht ohne einen Teil davon unweigerlich für immer bei sich zu tragen. 

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